Menschheitsziele: z.B. Altruismus

Der Turm zu Babel: Zeichen für eine Menschheit mit falschen Zielen - die Sprachlosigkeit findet Ausdruck in der Sprachenvielfalt, nicht als Strafe eines „beleidigten“ Gottes, sondern als natürliche Folge einer Fehlorientierung….

Die verborgenen Gesetze des Daseins 


Warum wächst die Gier unter den Menschen? Warum gibt es Leiden in der Welt? Gibt es eine Krise der Menschheit - wenn ja, warum? Gibt es Auswege aus der Krise? Warum zerfallen Beziehungen? Globalisierung - Zufall oder Plan? 


Kabbalah - Ein Urwissen der Menschheit.


Gibt es eine Krise der Wissenschaften? 


All unsere Bestrebungen als Individuum, aber auch als Gesellschaft im Ganzen, drehen sich um einen einzigen Punkt: Die Befriedigung unserer Bedürfnisse. 


Die Wissenschaften entwickelten sich ursprünglich aus unserem Bedürfnis, die uns beeinflussenden Phänomene der Natur zu verstehen, ihre scheinbare Willkür und ihre oft auch als bedrohlich empfundenen Auswirkungen auf uns zu beseitigen oder wenigstens zu mildern bzw. allgemein angenehmere Lebensumstände für „uns“ zu schaffen. Unsere ursprünglich magische Sichtweise uns beeinflussender Götter und Dämonen, denen wir mehr oder weniger hilflos ausgeliefert sind, ist einer realeren Erkenntnis uns beeinflussender Kräfte gewichen, deren Gebrauch uns Lösungen verspricht. 


Während anfänglich noch beide Aspekte - das „Wie" und „Warum" der uns beeinflussenden Phänomene Gegenstand des menschlichen Forschens waren, führte dies bald zu einer Trennung in Natur- („wie") und Geisteswissenschaften („warum“). Da die Letzteren offensichtlich weniger spektakuläre, praktische Erfolge aufweisen konnten, sind die Naturwissenschaften durch ihre Entwicklung von greifbaren Technologien im Ansehen gestiegen: Wohlstand, Gesundheit und Lebensqualität verdanken wir ihnen - zumindest wenige Prozent der Weltbevölkerung - während soziale und psychische Konflikte im Kern ungelöst blieben. Eine bloße Reduzierung sozialer und psychischer Konflikte auf wirtschaftliche Mangelzustände erscheint dabei zu einfach. 


Abwendung von Leid und Schaffung von Glück sind seit jeher das Ziel allen menschlichen Handelns. Unsere Konsumgüterindustrie wird nicht müde, uns neue, Glück verheißende. Güter und Dienstleistungen anzubieten. Die wissenschaftliche Forschung nimmt hierbei eine Schlüsselstellung ein. Ohne neueste biologische, chemische und physikalische Erkenntnisse sind keine Pharmaindustrie und keine medizinische Versorgung der Menschheit mehr denkbar. Trotz allen medizinischen Fortschritts ist aber das Elend auf der Welt nicht wirklich vermindert worden: physische Massenerkrankungen wie Pest und Cholera wurden durch neue wie AIDS, Herzinfarkt, Schlaganfall und Corona ersetzt, seelische Leiden wie Lebensangst, Sinnlosigkeit und Depression nehmen zu und als deren Folge eine Konsumgier nach „Ersatz-Dingen", Drogen und Medikamenten, Unterhaltung und Zeitvertreib, die diese Empfindungen zerstreuen sollen. Gleichzeitig wird aber diese künstliche Gesundheit und die notwendige Versorgung der nun länger „Überlebenden" immer weniger in den Gesellschaften finanzierbar. 


Die Sinnlosigkeit eines Lebens innerhalb rein preis- leistungsorientierter Konsummechanismen und die scheinbar gerechte Verteilung der Früchte so genannter Leistungsträger der Gesellschaften auf wenige Prozent der Weltbevölkerung, erzeugt Aggression und Terror, die sich in der Ausbreitung von Hoffnungslosigkeit, Drogen oder Aggression, Ideologien und deren Terrorismus widerspiegeln. 


Die Krise der Wissenschaften besteht also darin, dass unsere Hoffnung auf sie als Retter der Zivilisation geplatzt ist. Warum? Die Wissenschaften haben uns keine Antworten auf unsere wirklichen Fragen geben können: was sind unsere eigentlichen Bedürfnisse, woher stammen sie, warum gibt es sie, wie werden sie wirklich erfüllt, welche Rolle spielen wir hierbei? Worin besteht eigentlich die Aufgabe des Individuums und der Gesellschaft? 


Von der Natur der Bedürfnisse 


Nicht nur wir, als Gattung Mensch, haben Bedürfnisse, sondern auch Tiere, Pflanzen und sogar die so genannte „unbelebte" Natur. Chemische Verbindungen und physikalische Anordnungen folgen Gesetzmäßigkeiten in Form von Bindungskräften, die Vorlieben und Abneigungen erkennen lassen. Angenehmes wird erstrebt, Unangenehmes vermieden - es wird Ausgeglichenheit angestrebt, Ruhe. Die Systeme regeln sich zumeist über positives oder negatives Feedback. 


Lange bevor unsere modernen Wissenschaften die Gesetze von „Angebot und Nachfrage" (Ökonomie), von den „Ebenen der Bedürfnisse" (Soziologie, Psychologie) usw. entdeckt haben, finden wir in der uralten Wissenschaft der Kabbalah (wörtlich „empfangen") ein tief greifendes Verständnis über diese Zusammenhänge. Woher kommt ein Bedürfnis/Verlangen? Warum hält es nicht lange vor, wenn es befriedigt wird? Gibt es eine Struktur, einen Sinn hinter diesen beobachtbaren Gesetzmäßigkeiten? 


Wir wissen, dass Bedürfnisse aus einem Mangel geboren werden. Worin genau liegt aber dieser Mangel? Aus welcher Fülle bedienen wir uns andererseits, um die unterschiedlichen Mängel aufzuheben? Wenn ich nach mehr Geld, mehr Einfluss, Macht oder mehr Wissen strebe, welchen Mangel genau möchte ich letzten Endes damit beseitigen? 


Mangel an Vollkommenheit? 


Wir alle leiden in irgendeiner Art und Weise in dieser Welt. Überall erkennen wir, was man besser machen könnte. Ganze Weltideologien verdanken ihre Existenz der Tatsache, dass vorgefundene Mängel zu überwinden seien. Bei all der wahrgenommenen Unvollkommenheit bleibt kein Raum mehr, hinter allem ein ordnendes, lenkendes System anzunehmen, das vollkommene Perfektion repräsentiert. Im Gegenteil: manch einer ist geneigt, eher an dunkle Mächte und Verschwörungen nach dem Bilde vergangener Epochen zu glauben, welche die Oberhand zu gewinnen scheinen - ein Gefühl der Machtlosigkeit greift bei den Einen um sich, während die Anderen in Machbarkeitswahn verfallen. 


Vielleicht liegt dies alles aber auch einfach nur an unserer Wahrnehmung? Oft liefert uns eine gemachte Erfahrung erst im Nachhinein die Erkenntnis, dass etwas Geschehenes seine Berechtigung hatte. Schicksal und Zufall sind Begriffe, die lediglich unsere Unkenntnis bestimmter Gesetzmäßigkeiten zu einem bestimmten Zeitpunkt ausdrücken. 


Auch sind unsere Bewertungen der Geschehnisse anhand selbst geschaffener Kriterien wie z.B. „Gerechtigkeit" im Rahmen unserer gegenwärtigen, egoistischen Bewusstseinsstufe recht willkürlich. Woher kommen denn Stärke, Schwäche, Fähigkeit und Unfähigkeit beim Einzelnen? Von wessen Verdienst reden wir eigentlich, wenn wir begabte Menschen stärker wertschätzen und entlohnen, bzw. wenn solche Individuen aus einem privilegierten Umfeld erwachsen? Welche Rolle sollte das Individuum im Kollektiv also spielen? 


Alles befindet sich offensichtlich in Entwicklung: Solange eine Entwicklung nicht abgeschlossen ist, kann die durch sie angestrebte Vollkommenheit nicht erkannt werden. Wir können bei einem gerade ablaufenden Prozess ohne Kenntnis der ihn steuernden Gesetze und Einflussfaktoren seinen zukünftigen Ausgang nur mutmaßen. Diese Prozesse können als sehr schmerzhaft empfunden werden, wenn sie nicht den vorgegebenen Gesetzmäßigkeiten folgen (negatives Feedback). Die Kenntnis dieser Gesetze aber hilft, Leid zu vermeiden (positives Feedback). 


Die Tatsache, dass wir in unseren Handlungen nach Vollkommenheit streben und Unvollkommenheit erkennen zeigt aber, dass in uns allen das Wissen um eine allgemeine Absicht der Existenz verborgen ist. 


Das Urwissen behauptet, dass diese alles steuernde Absicht oft entgegen der Erfahrung unserer natürlichen Anlage, dem Egoismus, und der ihm dienenden fünf Sinne und seinem Erfüllungsgehilfen dem Verstand, aus reiner Güte besteht und das Ziel hat, uns vollständige, immerwährende Erfüllung zu gewähren. 


Ursache und Wirkung 


Dieses Urwissen versteht sich weder als Religion noch als Philosophie (letztere sind im Laufe der Geschichte aus ihm eigentlich als Missverständnisse erwachsen), sondern als exakte Wissenschaft über den Zusammenhang von Ursache und Wirkung, Ursprung und Ziel von allem Existierenden. Während Religionen die Erste Ursache alles Existierenden oft als veränderlich und damit auch beeinflussbar begreifen und Philosophien über ihr Wesen lediglich spekulieren, erkennt das Urwissen sie als unveränderliche, erfahrbare Grundlage allen Seins, ein perfektes Kraftfeld, in dem alles Existierende seiner Bestimmung zugeführt wird - durch Leiden oder Erkenntnis. 


Die Naturwissenschaften klären uns bereits eindrucksvoll über die Gesetzmäßigkeit von Ursache und Wirkung auf. Warum soll, was innerhalb der zwei Grenzen unserer Wahrnehmung - unserer Geburt und unserem Tod - gilt, nicht auch darüber hinaus gelten. Gibt es für uns doch noch unbekannte Gesetze und Zielvorstellungen? Warum existieren wir, woher kommen wir, wohin gehen wir? 


Nachdem der Mensch die Oberflächlichkeit der bestehenden, materiellen Bedürfnisstrukturen erkannt hat, beginnt er sich nach mehr zu sehnen, er beginnt mit der Erforschung des Unbekannten und entdeckt tatsächlich, dass seine ureigensten Gedanken und Gefühle nichts anderes als Wünsche aus einer anderen Welt sind. Er nimmt sie zunächst als selbstständig existierendes, getrennt empfindendes Objekt („Ich") wahr und sich selbst daher noch nicht als ein Teil einer Einheit. 


Der Wille zu empfangen - die Materie - das Gefäß 


Das hier besprochene Urwissen ist unter dem Namen Kabbalah bekannt und nimmt seine Anfänge bei den Urvätern der Menschheit (Abraham, Moses...). Das Wort „Kabbalah" bedeutet „Empfangen" und gibt damit bereits eine Auskunft über die Grundausrichtung in allem Existierenden: jegliche Existenz, ob unbelebt, pflanzlich, tierischer oder sprachbegabt, möchte Genuss / Erfüllung erfahren. Diese Kraft heißt „der Wille zu empfangen" und wird in ihrer derzeitigen Ausformung als Selbsterfüllung auch Egoismus genannt. 


Zu diesem Verlangen gehören z.B. bei uns Menschen alle möglichen Motivationen, eine Handlung auszuführen. Das menschliche Verlangen nach Vergnügen wächst und entwickelt sich nach einer bestimmten Ordnung: 


Wir wollen Essen, Schlaf, Sex und Familie. Dann wollen wir Wohlstand und Sicherheit. Später verlangen wir nach Macht, Einfluss und Anerkennung und irgendwann nach Wissen (soziale Bedürfnisse). Auf der letzten Stufe kommt das Verlangen nach „Spiritualität" (was man auch immer darunter verstehen mag!) - aber all diese Verlangen sind vermischt und liegen in unterschiedlichen Intensitätsgraden in uns verborgen. 


Das bewusste Durchleben aller dieser verschiedenen Stufen „des Verlangens zu empfangen" machen einen Menschen mit seinen Fähigkeiten und seinen Beschränkungen vertraut. Der Mensch ist nicht in der Lage irgendetwas zu tun, ohne damit einen Vorteil für sich zu verbinden. Bevor er zu agieren beginnt, muss er zuerst überdenken, welchen Gewinn er davon haben könnte. Dieser Gewinn ist seine Motivation. Der Antrieb besteht entweder aus dem sofortigen oder dem zukünftigen Gewinn, den er mit seinem Tun beabsichtigt. Unser Verstand ist schlicht ein Mechanismus, der nur diesem Ziel dient - hier gibt es keine Freiheit der Wahl. 


Allgemein wird ein Mangel an Genuss daher als Leiden empfunden. Die Aufgabe unseres Verstandes ist dabei lediglich, das für uns scheinbar Beste ständig neu zu kalkulieren: eine reine Gewinn - und Verlustrechnung. Dabei kann der erwartete Gewinn durchaus auch einen vorübergehenden Verlust nahe legen. Dies scheint zunächst das einzig gültige Gesetzt in „unserer Welt" zu sein. 


Der Wille zu schenken - die Essenz - Ihre Ausstrahlung 


Die Erste Ursache von allem Existierenden - nennen wir sie einfach Höhere Kraft (das Wort Gott, Schöpfer wird an dieser Stelle bewusst vermieden, um Missverständnisse zu vermeiden) - ist Vollkommenheit und Fülle, ohne jeglichen Mangel, reiner Altruismus. Sie möchte Genuss, ja sogar ihre Eigenschaften selbst an uns vermitteln. Dies können wir so nicht fassen, weil wir sie im Rahmen unserer egoistischen Wahrnehmung mit unseren 5 Sinnen nicht erkennen können. 


Die Weisen beschreiben unsere Welt mit dem Bild eines Einkaufsladens. Sie erklären, dass ein Teil der Menschen sich auch gemäß der Existenz eines Ladeninhabers verhält, wo alle empfangenen Dinge als Leihgabe begriffen werden und man bereit ist, eine Leihgebühr hierfür zu entrichten, ein größerer Teil jedoch noch nicht. 


Worin besteht diese Leihgebühr? Warum ist sie erforderlich? Nehmen wir Geschenke einfach an, oder empfinden wir je nach Wert des Geschenks und der Beziehungsqualität zum Schenkenden unter Umständen Scham? Die Weisen sprechen hier vom Prinzip „unverdientes Brot". Dennoch ist ein generelles Verlangen nach eigener Füllung in uns eingraviert - der Wunsch zu empfangen. 


Daher muss der Wunsch eine Entwicklung durchlaufen, er muss einen unabhängigen Willen zur Füllung entwickeln. Zunächst ist der Wille zu empfangen sofort vollständig durch den Willen zu schenken gefüllt, quasi ausgelöscht - mit dieser Füllung vermittelt sich aber auch die Eigenschaft des Füllenden. Der Gefüllte erfährt seine Minderwertigkeit gegenüber dem Füllenden und somit dessen Größe. Das Gefüllte gewinnt zunehmend mehr Interesse am Wesen des Füllenden als an der Füllung selbst, fängt sogar an, die Füllung zu verweigern. Die Weisen sprechen hier von einer zunehmenden Abschirmung von der Ersten Ursache. 


Alle Handlungen und Geschehnisse auf allen Bewusstseinsstufen (in allen Welten) - also auch in unserer materiellen Welt - können auf ein Wechselspiel dieser zwei Kräfte zurückgeführt werden: dem „Willen zu schenken" und „dem Willen zu empfangen".


Gemäß der Kabbalah muss sowohl die Menschheit als Ganzes, als auch jedes einzelne Individuum das höchste Maß an Erkenntnis erlangen, dem Ziel der Schöpfung Folge leisten. 


Die Kabbalah zeigt auf, dass unser Universum letztendlich selbstlosen, altruistischen Gesetzmäßigkeiten folgt und sich dabei lediglich egoistischer Verhaltensweisen bedient, was man auch als „Genuss der unreifen Frucht“ bezeichnet. 


Wahrnehmung und Wirklichkeit 


Wir verfügen über fünf Wahrnehmungsorgane für die Empfindungen sehen, hören, schmecken, riechen und fühlen. All unsere materiellen Verlangen, Wünsche und deren Befriedigung orientieren sich an diesen Instrumenten. Die Wahrnehmungsorgane unterscheiden sich in allen Lebewesen: eine Ameise nimmt andere Dinge wahr, als ein Mensch. Wer aber erfährt die wirkliche Realität? Jede Existenz erfährt ihre eigene Realität und diese ist fest mit den jeweiligen Fähigkeiten ihrer Wahrnehmungsorgane verbunden. 


Gemäß der Kabbalah befindet sich alles Existierende jenseits von Zeit und Raum in einer unveränderlichen, ewigen, bereits vollkommenen Wirklichkeit (Ein Sof). Alle im Materiellen festzustellenden Unterschiede sind lediglich empfundener Natur und sind vollständig durch Prozesse der Wahrnehmung festgelegt. Man kann sagen: die Welt liegt in uns. Diese Prozesse folgen bestimmten Strukturen und Gesetzmäßigkeiten, die mit Hilfe der Kabbala studiert und empfunden werden können. 


Wir können nicht wirklich die Welt um uns herum wahrnehmen. Wir können immer nur unsere sich verändernden Bewusstseinszustände und damit einhergehende Reaktionen auf das eigentlich Unveränderliche, Unbekannte wahrnehmen. Die Kabbala untersucht daher nicht spekulativ wie z.B. die Philosophie, was außerhalb von uns zu liegen scheint, sondern nur die Prozesse, die hierdurch in uns ausgelöst werden. In dieser Prozessorientierung liegt die Wissenschaftlichkeit der Kabbalah, die durch Bezugnahme auf dabei auftretende, subjektive Empfindungen erfahrungsbezogen überprüfbar wird. 


Die Prozessorientierung erlaubt eine Abstraktion von den beim Einzelnen jeweils anders empfundenen Inhalten (Bedürfnisse und Genüsse), ähnlich wie wir in den Naturwissenschaften die Form von der Materie abstrahieren können und Übergänge in den Formen als Prozesse beschreiben können. Die letztendliche Substanz wird sich dabei wiederum als unveränderlich, unergründbar erweisen. 


Beispielsweise entdeckt auch die moderne Quanten Physik auf der Suche nach „der Ur-Substanz letztendlich immer nur neue, subtilere Formen dieser Substanz, und in der humanistischen Psychotherapie wird mit modernen Techniken gearbeitet, bei denen die Erkenntnis der letztendlichen Inhalte der bearbeiteten Konflikte hinter der Erforschung ihrer Strukturen und ihrer Phasenübergänge zurücksteht (NLP). Ähnlich, wie wir nicht wissen müssen, was Elektrizität wirklich ist, ist das Wissen um ihre Wirkung für uns ausreichend und zufrieden stellend, um damit arbeiten zu können. Die Essenz der „lenkenden Kraft“ selbst ist gemäß der Kabbalah nicht ergründbar, wohl aber ihre Wirkung auf uns, ihre Eigenschaft. 


Gleichheit der Eigenschaften 


Ein weiteres Gesetz im Spirituellen - übrigens daher auch in den Naturwissenschaften - ist die „Gleichheit der Form", der Eigenschaften zwischen der Ersten Ursache und der von Ihr erzeugten Wesen, also der gesamten Natur, des Universums. Es geht um das Prinzip Sender - Empfänger. Der Empfänger kann nichts empfangen, wenn er in seinen Eigenschaften (Frequenzbändern) nicht mit dem Sender übereinstimmt. 


In unserem Zusammenhang strahlt der Sender - die Erste Ursache - auf dem Frequenzband „Altruismus“ denn er möchte nur schenken und wir empfangen derzeit noch überwiegend auf dem Frequenzband „Egoismus", denn wir wollen nur: „für uns" empfangen. Diese beiden sind derart von einander entfernt, dass wir die alles lenkende Höchste Kraft nicht wahrnehmen können. 


In dem wir Gesetzmäßigkeiten erkennen, können wir uns ihren gemäß verhalten und werden weniger „Schaden" erleiden. Unsere sozialen Beziehungen innerhalb der Gesellschaft sind letztendlich aus diesem Grunde durch Regeln der gegenseitigen Rücksichtnahme (Moral, Gesetz) festgelegt, die diesen Gesetzmäßigkeiten zu folgen versuchen. 


Allerdings bleibt uns die Gesellschaft eine wirkliche Motivation zu selbstlosen Handlungen durch das Individuum schuldig und muss dies durch Systeme der Kontrolle kompensieren. 


Gemäß der Kabbala werden uns daher Anreize von der Ersten Wirklichkeit geschickt, anhand derer sich unsere Entwicklung vollzieht. Wenn wir die Leidensgeschichte der Menschheit insgesamt betrachten, so lässt sich eine generelle Weiterentwicklung ja auch nicht wirklich bestreiten. 


Unsere Bedürfnisstruktur hat sich generell von den „einfacheren" zu den „höheren" Bedürfnissen gewandelt. Nicht nur die Verbreitung der Internet-Nutzung im gegenwärtigen Informationszeitalter zeigt an, dass „virtuelle" Bedürfnisse zunehmend den so genannten „realen" Bedürfnissen vorgezogen werden, und dass das Wissen wollen an sich inzwischen einen erheblichen Stellenwert in der Masse eingenommen hat. Es gibt keine Weiterentwicklung ohne wachsende Bedürfnisse. 


Aus kabbalistischer Sicht ist daher erst heute - bei maximaler Entfaltung der Eigen-Bedürfnisse, des Egoismus als abweichender Form, eine optimale Ausgangsbasis für den nächsten, erforderlichen Evolutionsschritt der Menschheit geschaffen: der Entwicklung des Altruismus als Übereinstimmung der Form mit der Schöpfungsabsicht. 


Absicht und Handlung 


Es geht um folgenden Zusammenhang: Sie sind bei einer Person zum Essen eingeladen, die Sie sehr schätzen. Ihr Gastgeber möchte sie mit Speisen verwöhnen, die er genau auf Sie abgestimmt hat - er weiß genau, was Sie mögen. Im Anblick der wunderbaren Speisen kommen Zweifel in Ihnen auf, ob Sie sich das alles so einfach einverleiben können. Scham mag in Ihnen entstehen, weil sie nicht über Mittel verfügen, sich zu revanchieren - natürlich vorausgesetzt, der Gastgeber ist Ihnen nicht gleichgültig. Sie lehnen die Speisen zunächst ab. Der Gastgeber aber bedrängt Sie derart und versichert Ihnen, dass Sie ihm eine Freude machen würden, wenn Sie zugreifen. Wenn Sie dies wahrhaft glauben können, werden Sie ohne schlechtes Gewissen zugreifen können. Der Gastgeber erfreut sich an Ihnen, wie Sie die Speisen genießen.  


Sie haben nun Ihre Rolle vom Empfänger zum Geber gewechselt, denn Sie essen inzwischen nicht aus reinem Genuss am Essen selbst, sondern auch, weil Sie dem Gastgeber damit eine Freude machen möchten. Hierzu müssen Sie allerdings etwas vom Gastgeber annehmen und ihn so auch kennen und schätzen lernen - und sie müssen das Offerierte tatsächlich genießen können. Letztlich werden sie daher ebenfalls so spendabel werden wollen wie ihr Gastgeber, um seine Freude ebenfalls empfinden zu können. Diese Freude ist von einer gänzlich anderen Natur - unerschöpflich. Der Genuss hat sich durch eine neue Absicht vom Geschenk, vom Objekt gelöst. 


Die Instanz in Ihnen, die Sie zunächst die Speisen ablehnen ließ und hernach entschied, mit einer neuen Absicht ein wenig anzunehmen um den Gastgeber zu befriedigen (also nicht zuerst und nur sich selbst), wird als neues Wahrnehmungsorgan (Schirm) jenseits ihrer 5 Sinne betrachtet, denn diese Freude ist von einer anderen Natur wie der Genuss der Speise selbst. 


Sie können sich denken, wer mit Gast und Gastgeber in unserem Kontext gemeint ist und was mit den Speisen gemeint ist? 


Stellen Sie sich nun vor, Sie kennen den Gastgeber gar nicht. Sie finden zwar mehr oder weniger immer alle Dinge vor, die Sie zum Leben benötigen, aber es ist eigentlich für Sie eine reine Selbstverständlichkeit und Gewohnheit: die gesellschaftlich konditionierte Überzeugung, Sie hätten sich das alles selbst verdient - zwischen Geburt und Tod... 


In diesem Zustand leben die meisten von uns und wir sind völlig überrascht, wenn uns Schicksalsschläge ereilen, die wir nicht einordnen können, deren Sinn wir nicht verstehen und auf die wir nur die Frage stellen können: warum gerade ich? 


Der Weg der Kabbalah 


Die Kabbalisten sagen, dass drei Dinge für einen spirituellen Fortschritt von Nöten sind (Spiritualität = Eigenschaft des Altruismus!): 


  • Die richtigen Bücher 
  • Die richtige Gruppe 
  • Der richtige Lehrer 


Die Lektüre authentischer Bücher stellt den Empfänger auf den Sender ein. Der Leser wird je nach Entwicklungsstand mit dem Gelesenen übereinstimmen oder es ablehnen. Die Beobachtung seiner eigenen Empfindungen hierbei ist entscheidend. Der gleiche, gelesene Inhalt kann in anderer persönlicher Verfassung (Bewusstseinszustand) zu gänzlich anderen Empfindungen führen. 


Auch wenn vieles Gelesene noch unverständlich scheint, vertraut man doch auf den vom Autor bereits erfolgreich beschrittenen Weg, ähnlich wie ein Patient, der ohne eigenes Medizinstudium vertrauensvoll das Rezept seines Hausarztes akzeptiert. Die Absicht zu verstehen wird Verständnis bringen. 


Die „richtige" Gruppe dient als Katalysator. Die Vereinigung mit Gleichgesinnten ist ein entscheidender Faktor für den Fortschritt. Die Gruppe bietet in Phasen der empfundenen Schwäche Schutz und Unterstützung und in Phasen der selbst empfundenen Stärke korrigierende Kritik. 


Der „richtige“ Lehrer ist erforderlich, damit das Gelesene nicht falsch verstanden wird. Durch sein Geschick können manche Hürden leichter gemeistert werden. Allerdings wird auch er immer auf die eigentliche, lenkende Kraft des Universums verweisen, und den Schüler letztendlich auf sie zurückwerfen. 

Zu Ehren meines Lehrers Rav Michael Laitman, Leiter der weltweiten Studienakademie „Bnei Baruch (Söhne des Baruch)“, eine Organisation in der Nachfolge der großen Kabbalisten Rabbi Yehuda Ashlag (Baal HaSulam: Herr der Leiter) und seinem Sohn Baruch Ashlag mit Sitz in Petah Tikva, Israel!

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