Trompete - aktueller Stand

Taylor Phat Freddie Flumpet mit Legends Mundstück Cat Master

Heute mal wieder etwas über meine aktuellen Erkenntnisse was das Spielen der Trompete betrifft.


Neben meinen vielen Instrumenten (Gitarre, Mundharmonika, Querflöte, Shakuhachi, Bansuri) ist die Trompete das Instrument meiner größten Aufmerksamkeit. Warum? Weil ich während meiner Beschäftigung mit der Jazzgitarre in meinen 20er Jahren durch Zufall mit der Trompete im Jazz konfrontiert wurde: meine Tante wollte mir zum Geburtstag eine LP meines damaligen Lieblingsmusikers schenken. Ich war gerade mit Charlie Byrd beschäftigt, einer der wenigen Jazzgitarristen, die auf einer Konzertgitarre (Nylonsaiten) spielte, abgesehen von vielen Latingitarristen wie z.B. Baden Powell, der übrigens für meinen Einstieg in den Jazz mit meinen damaligen Gitarrenkenntnissen sorgte - da war ich gerade mal 16 Jahre alt. Bis dahin war Gitarre nur ein Begleitinstrument für meinen Gesang.


Aber zurück zu Charlie Byrd…..ich hatte gerade die LP „The Historic Town Hall Concert - Featuring  Seven of The Greats Guitarists“ in der Mache, was bedeutet, ich versuchte diese Stücke nachzuspielen. Neben Joe Beck, Bucky Pizzarelli, George Barnes, Chuck Wayne und John McLaughlin war eben auch besagter Charlie Byrd mit von der Partie. Die LP wurde 1972 veröffentlicht, da war ich gerade 22 Jahre alt. Drei Stücke hatte ich mir von dieser LP erarbeitet: Joe Becks Interpretation von „The Things We Did Last Summer“ , Georg Barnes Version von „Eleonor Rigby“ und eben Charlie Byrds Version von „You‘ve Got A Friend“. Damals musste man sich noch ausschließlich auf die eigenen Ohren verlassen, um auf die Technik des jeweiligen Gitarristen (Grifftechnik, Harmonie etc.) rückschließen zu können. Heute wird alles auch optisch über YouTube fein säuberlich vorgebetet.


Aber wieder zurück zu Charlie Byrd: was ich tatsächlich als Geschenk von meiner Tante bekam, war eine LP von Donald Byrd, Jazztrompeter des Hard Bop: „Byrd‘s Word“, eine Aufnahme von 1955, meinem Geburtstag. Diese Platte weckte mein Interesse für Trompete.  


Ab diesem Zeitpunkt spielte die Trompete die Hauptrolle in meiner Jazzbegeisterung, die Jazzgitarristen, mit denen allen ich mich bis dahin überwiegend auseinandersetzte, wurden nun mehr oder weniger abgelöst. In der Arbeitstätte meiner Eltern als Heimleiterehepaar, dem Jugendwohnheim Johannes Brenz in Stuttgart Mitte, übte auch regelmäßig das Vereinsorchester des Vereins für Jugendheime und Volkshospize im großen Saal. Da gab es in einem Nischenraum des Veranstaltungssaales eine Kammer mit ausgesonderten Instrumenten aller Art. Klar, dass ich dort eine alte Konzerttrompete mit altem Mundstück entdeckte und mich sofort auf eine autodidaktische Entdeckungsreise machte - in der Werkstatt, dem schallsichertsen Raum im Keller des Brenzhauses.


Dann kam eins zum anderen: im benachbarten Jugenhaus Mitte übte die Rockband „Argo“ und die experimentierten gerade auch mit einem Saxophonspieler und wollten sich soundtechnisch in Richtung Chicago, Blood, Sweat&Tears etc. entwickeln, mit kleinen Bläsersätzen. Da ich an mich selbst immer höchste Ansprüche stellte und zu jener Zeit auch ein Trompetenlehrer im Jugendhaus zur Verfügung stand, nahm ich bei Frederic Rabold  Unterricht. 1978 hatten wir unsere Ersten Auftritte mit Bläserssatz, von dem im Sudhaus/Stuttgart gab es einen Zeitungsartikel, worüber ich hier an anderer Stelle bereits berichtet habe.


Aber die Trompete hat so ihre Tücken: die Lernkurve erfordert viel Frustrationstoleranz mit immer wieder herben Rückschlägen, insbesondere, wenn man sich falsche Techniken angewöhnt. Und das geht bei der Trompete sehr schnell. Schnelle Erfolge der Tonerzeugung können sich durch Krafteinsatz an den falschen Stellen im Körper einstellen. Meistens wird das Mundstück zu stark gegen die Lippen gepresst, was die Durchblutung einschränkt und zu geschwollenen Lippen führt. Diese physisch schlechte Rückkopplung auf den Tonerzeuger Lippen sorgt dafür, dass manche das Instrument an die Wand werfen, Trompetenspielen aufgeben oder eine Mundstücksafari beginnen. Auch mich hat es getroffen: immer wieder griff ich auf meine anderen Instrumente zurück, um den Frust zu überwinden und den Lippen wieder Zeit zur Erholung zu geben. Das richtige Üben und ein richtiger Ansatz sind entscheidende Faktoren, noch lange, bevor man über musikalischen Ausdruck nachdenken kann. Ich weiß, es gibt Vertreter der Lehre, dass die musikalische Vorstellung die unbewußte Feinmotorik des körperlichen Blasapparates entwickelt, aber das stimmt nur begrenzt. Schaut man sich bei Blasvereinen um, von denen es in jedem Kaff einen gibt, dann hört man bei entsprechenden Veranstaltungen heraus, wie Blechblasinstrumente gelernt wurden: die Ausdauer und Intonation insbesondere des „hohen Blechs“ lässt oft zu Wünschen übrig.


In der Folge machte ich mich dank meiner analytischen Anlage auf die Suche nach Antworten auf meine Fragen zur Tonerzeugung bei der Trompete. Es gab und gibt seit dem Internet einschlägige Foren zu diesem Thema. Zuvor war man auf Literatur angewiesen, von deren Existenz man aber erst einmal erfahren musste.


Ich hatte in meinen 3 Versuchen der Wiederaufnahme des Trompetenspielens in bald 50 Jahren alles Material diesbezüglich studiert und ausprobiert. Das hatte ich hier auch an anderer Stelle schon abgehandelt. Mein Ziel war es, mit geringstem Aufwand und geringster Anstrengung ein passables Trompetenspiel zu entwickeln, mit Ausdauer, gutem Tonumfang und eigener Klangvorstellung. 


Das Problem, was muss die Zunge genau tun beim Trompetenspielen, habe ich für mich mit einer Art TCE Technik gelöst: Tounge Controlled Embouchure. Ich betreibe nicht die reine Lehre, aber die Zunge ist im Mund „aufgeräumt“ mit der Fixierung der Zungenspitze an der Oberseite der unteren Lippe und dem oberen, äußeren Zungenrand am oberen Zahnkranz anliegend. Das bedeutet, die Artikulation, das Anstoßen des Tones erfolgt umgekehrt durch Öffnen des Luftkanals durch plötzliches Lösen des Kontaktes des Zungenteils direkt hinter der oberen Zungenspitze, weg von der Ausgangslage im Kontakt mit den oberen Schneidezähnen. Die Technik wird beschrieben, als wolle man etwas auf der Zunge liegendes durch eine Art Spucktechnik entfernen (Spit Buzz).


Der einfachste Weg diese Art Kompression im Mundraum auf ein Mundstück zu übertragen, bietet ein kleineres Mundstück mit flacherem Kessel. Wenn die Bohrung des Mundstücks auch noch kleiner ist ( #30), spricht man von einem High Compression Mundstück. Hier gelten zwei wichtige Einschränkungen: der Klang ist fetziger und heller mit mehr sizzle und man muss mehr darauf achten, dass die eigenen Lippen nicht ins Mundstück kollabieren, was sofort die Tonerzeugung beenden würde.


Hier habe ich viel von dem amerikanischen Trompeter Jim Manley gelernt. Er vertritt auch die These, dass man solcher Art auch durchaus smooth Jazz spielen kann und nicht nur Leadtrompete. Aber klar: wie Chet Baker wird das ganze dann nicht klingen. Man lernt aber auch minimal viel Luft zu verwenden, denn die Trompete ist ein enormer Resonanzkörper, was man z.B. feststellt, wenn man auf das Mundstück in der Trompete mit der flachen Hand leicht draufklopft.


Um die Härte im solchermaßen erzeugten Ton zu mildern, habe ich eine ultraschwere „Flumpet“ erworben, ein Hybrid aus Flügelhorn und Trompete: eine Taylor Phat Freddie. Diese Trompete spiele ich mit einer Replika des CAT Anderson Mundstücks in Heavy Blank Ausführung der amerikanischen Firma Legends. Die Flumpet wiegt bereits ca. 1.300 Gramm (dickwandig und starke Verstrebungen, Fingerringe) und das Heavy Mundstück „CAT MASTER“ wiegt 160 Gramm. Damit kommen bald 1,5 Kilogramm in meine Hände.

Ich habe auf meinem YouTube-Kanal ein neues SHORT eingestellt, wo ich kurz diese Kombination präsentiere. Bilder habe ich diesem Artikel beigefügt.   

Original Cat Anderson Mundstück vom Chikagoer Mundstückmacher Charlie Allen
Replika von Legends: CAT MASTER
Vergleich mit Bach 7C
hier noch meine Taylor Phat Freddie (1.350 Gramm) mit meinem neuen LEGENDS CAT MASTER Mundstück in Big Daddy (BD) Ausführung (250 Gramm!!)

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