Aber der Donbass…eine russische Propagandalüge

von Nico Lange


Es wird behauptet: "Die Ukraine hat ab 2014 den Donbass, ein Gebiet mit russlandfreundlichen Menschen in der Ostukraine, beschossen. Es gab dort Tausende Opfer unter Zivilisten." Diese Behauptung ist falsch.


Richtig ist: Diese Behauptung wird von 

russischer Seite gezielt als Vorwand für den Angriffskrieg gestreut. Es gab vor der russischen Invasion keine Bombardierung des Donbass 

durch die Ukraine.


Immer wieder wird behauptet, die Ukraine  sei verantwortlich für „15 000 Tote im  Donbass“ seit 2014 und habe „die eigenen  Leute“ bombardiert, sodass Russland „schützend eingreifen musste“. Das ist ein durch Wladimir Putin und Russland  gezielt konstruierter Vorwand für den Krieg. 


Russland verbreitet diese Falschinformationen im Rahmen der hybriden  Kriegsführung besonders in Deutschland. Die Zahl „15 000“ stammt aus Aufrundungen der Schätzungen der Vereinten  Nationen. Allerdings handelt es sich dabei nicht um Opfer angeblicher ukrainischer Angriffe. Die Zahlen der Vereinten Nationen gehen von etwa 3500 getöteten Zivilisten aus, etwa 4000 ukrainischen Soldaten, etwa 5500 Toten bei den von Russland angeleiteten bewaffneten Separatisten. 


Es lässt sich bei den etwa 3500 zivilen  Opfern im Donbass der Jahre 2014 und 2015  nicht genau sagen, ob sie sich auf einer Seite der Auseinandersetzung verorteten und ob diese Menschen „pro-ukrainisch“ oder „pro-russisch” waren. 


Enthalten sind in der  Zahl auch die 298 Passagiere des abgeschossenen Flugs MH17. Es ist besonders zynisch, die getöteten Menschen ausgerechnet der  Ukraine anrechnen zu wollen angesichts der Tatsache, dass das Passagierflugzeug  durch von Russland gesteuerte Separatisten  mit russischen Flugabwehrraketen abgeschossen wurde. 


Nach den Jahren 2014 und 2015 sank die  Zahl der Opfer im Donbass. Laut dem letzten Bericht der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa  (OSZE) kamen 161 Zivilisten im Zeitraum von Januar 2017 bis Mitte September 2020 ums Leben – etwa gleich viele auf beiden  Seiten. Etwa die Hälfte dieser Opfer starb  durch Unfälle mit Minen und Blindgängern.  


Es gab vor dem Beginn des russischen Großangriffs auf die Ukraine am 24. Februar 2022  keine „Bombardierungen“ der Zivilbevölkerung im Donbass durch die Ukraine und es gab auch keinerlei Pläne der Ukraine, den Donbass militärisch angreifen zu wollen.


Weder die OSZE-Beobachtermission, die mit dem Einverständnis Russlands seit 2014  die Lage beobachtete, noch der Bericht der Vereinten Nationen vom September 2021 sehen Anzeichen für einen Genozid oder gezieltes Vorgehen der Ukraine gegen die „pro-russische Zivilbevölkerung“. 


Ein Bericht des UNHCR (Hochkommissariat der  Vereinten Nationen für Flüchtlinge) vom Juli 2016 fasst zusammen: „Der bewaffnete  Konflikt, der durch den Zustrom ausländischer Kämpfer und Waffen aus der Russischen Föderation angeheizt wird, ist für die  meisten Verletzungen des Rechts auf Leben  in der Ukraine in den letzten zwei Jahren  verantwortlich.“


Die russische Propaganda hat die offizielle Gesamtzahl nach den Angaben der Vereinten Nationen auf „15 000“ aufgerundet und daraus entgegen der Sachlage propagandistisch „Opfer der ukrainischen  Angriffe auf den Donbass“ gemacht. Bis heute wird diese Propaganda in Diskussionen um den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine und die ukrainische Selbstverteidigung ständig wiederholt.  Durch Fakten ist sie nicht gedeckt.

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