Hinter den Kulissen: Ukraine, Musks Starlink und die Milliardäre

Ein Artikel von Regina Laska auf „X“ als Vollzitat von mir:

 Guten Morgen mit einer Nachricht, die man erst zweimal lesen muss, bevor man sie glaubt.

Die ukrainische Armee hat in der vergangenen Woche 201 Quadratkilometer seines eigenen Staatsgebiets zurückerobert. 

Zweihunderteins. In fünf Tagen. 


Das ist laut ISW die größte Rückeroberung seit der Gegenoffensive im Juni 2023. Die Fläche entspricht fast dem, was Russland im gesamten Dezember erobert hat.


Und jetzt kommt der Teil, bei dem man nicht weiß, ob man lachen oder den Kopf auf die Tischplatte knallen lassen soll.

Möglich wurde all das offenbar nur, weil Elon Musk der russischen Armee den Zugang zu Starlink abgedreht hat. Elon Musk. 


Was war passiert? 

Russland – diese angebliche Weltmacht mit eigenem Raumfahrtprogramm, eigenem Atomarsenal, eigenem Anspruch auf eine multipolare Weltordnung – hatte sich im Laufe des Krieges still und leise von Starlink abhängig gemacht. 


Man muss sich den Irrsinn noch einmal vor Augen führen: Die Armee, die angetreten ist, um die westliche Hegemonie zu brechen, führt ihren Krieg mit westlicher Technologie. 


Und als diese Technologie am 5. Februar abgeschaltet wurde, brach die Front ein. Nicht an einem Abschnitt. Flächig. Die russischen Militärblogger – normalerweise nicht für Selbstkritik bekannt – berichteten sofort von massiven Kommunikationsproblemen. 


In der gesamten vergangenen Woche gab es laut ISW nur an einem einzigen Tag russische Geländegewinne: am 9. Februar. An allen anderen Tagen machte die Ukraine Boden gut.


Die Rückeroberungen konzentrieren sich auf eine Zone östlich von Saporischschja, in der Russland seit Sommer 2025 massiv vorgerückt war. Das bedeutet: Diese Gebiete wurden offenbar nicht mit Tiefe gehalten, nicht mit redundanten Systemen gesichert, sondern mit einer Infrastruktur, die jemand in Kalifornien mit einem Mausklick abschalten kann. 


Und jetzt die unangenehme Frage, die sich niemand gern stellt: Was bedeutet es, wenn ein einzelner Privatunternehmer per Knopfdruck die Dynamik eines Krieges verändern kann? 


Und die noch drängendere Frage: Warum hat das niemand überwacht und unterbunden – während der Westen Sanktionspakete schnürt und im Leeren fischt.


Musk hat den Russen nicht aus Menschenliebe sein System abgedreht. Er hat es getan, weil der öffentliche Druck zu groß wurde, weil die Nutzung durch Russland dokumentiert war, weil es sein Geschäftsmodell gefährdete. Die Motivation ist egal. Die Wirkung nicht.


Wir leben in einer Zeit, in der kritische Kriegsinfrastruktur nicht mehr Staaten gehört, sondern Milliardären. In der ein Satellitenkonstellationsbetreiber mehr Einfluss auf ein Schlachtfeld hat als die meisten Verteidigungsminister. 


Das sollte jeden beunruhigen – auch diejenigen, die sich heute über die ukrainischen Erfolge freuen. Denn was Musk einschalten kann, kann er auch wieder ausschalten.


Aber heute, an diesem Dienstagmorgen, gilt erst mal: 201 Quadratkilometer. Die ukrainische Armee hat gezeigt, dass sie zuschlagen kann, wenn sich ein Fenster öffnet. Dass die Soldaten da sind, dass die Führung funktioniert, dass der Wille nicht gebrochen ist. Die Starlink-Sperre war die Gelegenheit. Genutzt haben sie die Ukrainer selbst.


Russland kontrolliert aktuell 19,5 Prozent des ukrainischen Territoriums, gegenüber 18,6 Prozent vor einem Jahr. Der Krieg ist nicht vorbei. Aber diese Woche hat gezeigt, dass er nicht nur in eine Richtung läuft.


Und dass die größte Militärmacht, die Russland zu sein behauptet, an einem einzigen Satellitensystem hängt wie an einer Nabelschnur.“