Jim Manley - Trompete effektiv!

Links Maynard, Mitte Jim..

Solange ich mich mit dem aus meiner Sicht schwierigsten Instrument der Welt beschäftige - der Trompete - solange habe ich mich auch damit beschäftigt, wie genau die Tonerzeugung auf diesem Instrument eigentlich funktioniert, und welche Mundstückgeometrie vorteilhaft wäre: Kesselform, Kesseldurchmesser, Größe der Bohrung und/oder Seele und die Eindringtiefe des Mundstücks in das Mundrohr (Gap).


Ausgangspunkt waren die Mundstücke meines Idols Maynard Ferguson, der bekannt dafür war, spielend über 4 Oktaven auf diesem Instrument zu beherrschen. Im Gegensatz zu den meisten Instrumenten, die sowohl über einen Klanggenerator als auch einen Resonator verfügen, gehört die Trompete zu jenen Instrumenten, die über keinen Klanggenerator verfügen. Die Trompete hat nur einen Resonanzkörper mit Ventilen, um die Rohrlänge zu variieren, damit die natürliche Naturtonreihe eines Rohres auf insgesamt 7 Rohrlängen erweitert wird: man hat also faktisch 7 Naturrohre, je nach Kombinationen der gedrückten Ventile zur Verfügung und damit ist der größte Intervallsprung der Naturtonreihe von C1 nach G1 (Quinte) bei einer B-Trompete in alle Halbtöne dazwischen zerlegbar:


Das G1 ohne Ventil, und runter zum C1 die Ventilkombinationen 2, 1, 1-2 (oder 3), 2-3, 1-3, 1-2-3 und das C1 ohne Ventil. Ventil 1 verringert den angeblasenen Naturton um einen ganzen Ton, Ventil 2 um einen 1/2 Ton und Ventil 3 um 1 1/2 Töne und die Kombination der Ventile besorgt den Rest. Wie aber werden die Naturtöne selbst erreicht? Nur durch den Lippenansatz!  


Und hier scheiden sich die Geister: wie genau erreichen die Lippen einen höheren Naturton, und was schwingt eigentlich in welcher Form genau. Physikalische entsteht im Trompetenrohr eine stehende Welle…..will sagen, die Luftmoleküle schwingen vom Mundstück bis zum Becher. Eine brauchbare Analogie ist das Kugelpendel, das die Moleküle symbolisiert. Habe ich 5 an Pendeln befestigte und sich berührende Kugeln und nehme die äußerste Kugel um sie auf die verbleibenden 4 prallen zu lassen, so bewegt sich die gegenüberliegende Kugel von den fünfen. Lasse ich zwei gleichzeitig aufprallen, so bewegen sich gegenüberliegend auch zwei usw..


Experimente zeigen, dass keinerlei Luft durch das Rohr gehen muss, um die Akkustik anzuregen: man hat Mundstücke konstruiert, die zum Rohr hin über eine Membran als Luftsperre verfügen, und ersatzweise im Mundstück eine weitere Öffnung für den Luftabfluss. Der Ton wird akustisch generiert und alle Theorien über Luftgeschwindigkeit, und Luftdruck sind eigentlich damit hinfällig.


Manche bemühen immer noch die Theorie des Buzzing: man kann die Lippen gegeneinander buzzen ohne Mundstück, mit Mundstück und mit Mundstück und Mundrohr. Der Buzz-Klang ist aber keinesfalls das, was den Trompetenton ausmacht. Haucht man Luft durch das Mundstück ohne Buzzing und führt das Mundstück langsam in das Mundrohr, so entsteht plötzlich ein Ton. Damit ist klar, dass die Wechselwirkung mit dem Resonator die Lippen zum Schwingen bringt und nicht umgekehrt. Wie diese Lippen dann genau schwingen, ob sie sich komplett öffnen und schließen in der Frequenz des erzeugten Tones, oder ob die Lippenöffnung sich lediglich nur verengt und erweitert, ist bis heute Diskussionsthema. Es gibt Kammeraufnahmen im Mundstück, um den Komplettverschluss der Lippen nachzuweisen -  ich habe das aber selbst dort nicht erkennen können. Man sieht die Erweiterung und Verengung des Luftkanals zwischen Ober- und Unterlippe, aber einen kurzzeitigen Verschluss?


Lassen wir es dabei. Maynard Ferguson ist bekannt dafür, dass er bis in die 90er Jahre von seinem Mundstückdesign kaum abwich: er hatte immer eine V-förmige Kesselform, einen flachen Kessel und einen engen Durchmesser des Mundstücks - ganz im Gegenteil zu den Empfehlungen der klassischen Trompetenlehrer. Natürlich legt die Mundstückgeometrie auch den Klangcharakter fest: ein flaches Mundstück klingt brillanter und kerniger (obertonreicher) als ein tiefes Mundstück. Flache Mundstücke sind daher eher im kommerziellen Bereich angesagt als in der Klassik.  


Ich habe, wie auch Jim Manley, mich an den Mundstücken von Maynard orientiert….darüber habe ich an anderer Stelle hier bereits ausführlich berichtet. Heute möchte ich aber etwas über Super-Kompressions-Mundstücke berichten, wie sie Jim Manley jüngst verwendet. Er hat sich von Mark Curry in USA custom Mundstücke bauen lassen: JM-Z14, JM-M14 und JM-JM14. Die Unterschiede in der Tiefe der Mundstücke zeigt eine Grafik von Mark Curry selbst. Ich habe mit Jim und Mark per email korrespondiert und werde diese Korrespondenz (in Englisch) hier wiedergeben. Ich denke, dass dies Denkanstöße in Fragen von Trompetenansatz, Effizienz, Höhe, Leichtigkeit und Ausdauer vermitteln kann.


Die Korrespondenz mit Jim


Hi Jim,   

Sorry for robbing your time again…..but I think I need some feedback from you about your JM-Z14. I got your „Short Stories & Tall Tails Vol 2“ where you are playing this piece. Very nice recording!


I surely can play on this very shallow piece in a very efficient way for a short time: not much air necessary at all and relaxed open arperture possible.


Of course one gets a very resonant and loud lead sound. But do you get on this piece a more legit sound  or some dynamic changing in sound as well?


I know one will need a deeper cup/more volume for legit sound. On the other side one will sacrifice the easyness of sound production because the deeper cup or more volume cup does not give the same backbouncing of the horn waves for the lip aperture to vibrate easyer in response of the  horn waves.


I compare it with my Giardinelli MF1,2 and 3 (Today Greg Black Legend NY MF1,2,3). From MF1 to MF3 the v-cup gets deeper and because of it straightness the alpha angle goes from higher to lower. I think the rim of all pieces is just comparable because I can easy switch between - but I can not play as  long on your super shallow piece because of lip penetrating more into the cup with time. I think MF1 equals the alpha angle of your Z14 as does the Groovin High from Mark and the Giardinelli MF1 as well within the first few fractions within the .125“ into the cup.


The deeper MF`s keep it going for me and the sound is more mellow of course.


What please is your opinion on that? I think you know what you are doing different when switching from a Giardinelli MF1 (you start with in the beginning) to the Z14? Do one need more training to get used to the Z14?


Thanks in advance


best


Reiner Wehrenfennig

Hi Reiner

No problem on time - always feel free to ask me anything

While I'll agree and adjusting to the Z cup takes time - you are lucky as most guys I've run into can't play it at all

I have the option of the Z cup and my Curry M cup if needed

The M cup is just slightly deeper then the Z but it is less lead like - but of course not as efficient 

That being said I can play the Z even ony jazz duo gigs - I just trained myself to keep backing off until I could do it 

It will never be sounding like Chet or play any classical stuff or anything like that but it isn't a lead sound by any means

I just recorded a track with the Z and I'll send it after I mix it today - you'll hear different colors on the track

Best approach if you can get your air low and not send much up to the mp that will help from sending to much to it and the sound becomes more open and with more resonance 

The MF Giardenlli feels huge to me now.

Links: JM-M14 Rechts: JM-Z14

Korrespondenz mit Mark


on the xps file I sent the jm-z14 is the multi-colored image, the GH is

the Blue one.

At 31 thou from the top of the rim, the GH is actually a bit smaller on

the ID at about .620",the z14 is about .622"

All that is very misleading as the real change happens about .125" into

the cup, where the z14 has a distinct concave section which is probably

better for creating resistance for the lips to vibrate in all registers.

Also helping resistance is the loose 30 throat.

von flach nach tief:
JM-Z14
JM-M14
JM-MD14


Reiner, contact me privately in order to get one of the Z14's


Regards to all!



Ich habe mir von Mark Curry dann JM-Z14 und JM-M14 bestellt und spiele überwiegend JM-M14.


Mark Curry ist allerdings inzwischen in Rente.

Meine Mark Curry Mundstücke:
Oben links nach rechts: JM-Z14, JM-M14
Unten: Groovin High - Kopie von Maynards Caliccio „Holy Grail“