Mundstücke bei der Trompete sind eine Wissenschaft für sich. Was ist der optimale Formfaktor für den jeweiligen Bläser? Wie sind seine Lippen gestaltet: Lippenrot dünn oder voluminös etc.. Beim Umgang mit den Lippen spricht man gerne von ein- oder ausgerollt, was bedeutet: weniger oder mehr Lippenrot bildet die Ansatzöffnung. Das Lippenrot bietet durch die Schleimhäute eine optimale Schwingbasis, muss aber durch umliegende Muskulatur geeignet gestützt werden, um den Lippenspalt zu beeinflussen was Klangfarbe und Tonhöhe betrifft.
Mundstücke von Bach haben sich als Orientierung etabliert: von den Größen 1-20 (großer bis kleiner Durchmesser des Kessels) mit den Kesseltiefen A-E (tief bis flach). Die durchschnittlichen Kesseldurchmesser liegen zwischen 16 und 17 mm, kleinere Durchmesser liegen unter 16mm, manchmal kleiner als 15 mm. Letztere beschreiten einen Extrembereich, der von vielen Trompetenlehrern abgelehnt wird. Hier spielt das Klangideal eine große Rolle, welches durch das Kesselvolumen und Kesselrand festgelegt wird. Klassiker neigen zu eher großvolumigen Mundstücken mit schmalerem und kantigerem Innenrand, um einen sanfteren Klang zu erzielen. Big Band und kommerzielle Trompeter neigen zu eher dickerem und runderem Innenrand und weniger Volumen, um einen fetzigen, obertonreichen Klang zu erzeugen.
Daneben gibt es die Kesselform, die eher C- oder eher V-forming ausgestaltet ist. Bei der V-Form gibt es noch den Spezialfall konvex gegenüber konkav.
Ich selber habe schon früh zu kleineren Kesseln tendiert, da ich sehr schmale Lippen habe. Meine Vorbilder lagen alle in der Gegend um 15 mm (Maynard Ferguson, Jim Manley etc.)
Um 2013 ließ ich mir auf Anregung eines Forumsmitgliedes im amerikanischen Forum Trumpetherald von Mark Curry ein Mundstück der Größe .530“ anfertigen, das sind nur ca. 13,5 mm Innendurchmesser, der Kessel allerdings ist tief und seine Form an der berühmten Bach Mount Vernon Version angelehnt. Davor war ich mit allen möglichen Maynard Mundstücken unterwegs, alle im Bereich ca. 15 mm Innendurchmesser. Zum Vergleich: kauft man Trompeten heute wird i.d.R. Ein Bach 7C Mundstück mitgeliefert, mit einem Innendurchmesser von ca. 16,20 mm.
15 mm sind für die meisten Trompeter eine unmögliche Herausforderung. Im deutschen Trompetenforum hat jemand auf sogar 14mm „downgesized“, und einigen Spott geerntet. Aber dieser Forumsteilnehmer hat den Klang betreffend die wertvolle Feststellung getroffen: kleiner Durchmesser kann durch tieferen Kessel im Volumen und damit im Klang kompensiert werden.
Und ich liege nun mit meinem Curry .530“ bei 13,5 mm!!! Ich konnte damals spontan bis zum C4 spielen, wurde aber wegen der Ausdauer skeptisch und bewegte mich dann wieder bis knapp 17 mm. Aber das war eine richtige Quälerei. Der damit zusammenhängende Frust hat mich in 40 Jahren bestimmt 10 mal die Trompete aufgeben lassen, nur um dann erneut anzufangen.
Im Letzten Beitrage hatte ich gerade die Extremmundstücke von Jim Manley JM-Z14 und JM-M14 vorgestellt, die auf der Innenrandkontur von Maynards 50er Jahre Mundstück beruhen, dann aber einen C-Kessel statt V-Form, ultraflach und entgegen Maynard keine super große Bohrung #19 sondern die heute kleinstmögliche mit #30 daher kommen.
Der Klang dieser superflachem und extrem kantenlosen Mundstücke ist natürlich sehr breit und obertonreich - man spricht von Sizzle.
Das Curry .530 ist entgegen dem Manley mit .622 deutlich enger, aber dafür deutlich tiefer, was sofort einen wärmeren Ton erzeugt.
Der Ton meines .530 gefällt mir besser und die Ansatzsicherheit über den Tonraum ist sehr gefällig. Das Manley allerdings benötigt die geringste Kraft, da das Feedback der Trompete optimal die Lippenschwingung unterstützt, benötigt aber mehr Feinabstimmung im Ansatzbereich.
unten: mein RW-GH560
