Ostern: der „geopferte“ Humanismus?

Heute mal wieder, und aus einem konkreten Anlass, ein spititueller Beitrag, ohne den man am gegenwärtigen Weltgeschehen verzweifeln könnte: die sogenannte Karwoche der Christen.


Das gegenwärtige Weltgeschehen: die Menschheit zündelt mal wieder an ihrer eigenen Existenz: zwei große Kriege in der Ukraine und im Nahen Osten, Ausdruck alter Ideologien, selbstgebastelter Heilsbringer des menschlichen Geistes - „-ISMEN und -ONEN“!


Die „goldenen Kälber“, der eigenen Großmachtfantasien, um welche große Volksgemeinschaften periodisch sich versammeln, um ihrem Gott der jeweils eigenen Größe, Macht und Einzigartigkeit zu huldigen, auf ihrem Fluchtweg aus einem Land der Knechtschaft, in ein Land, in dem eigentlich Milch und Honig fließen sollten: von ÄGYPTEN in das „verheißene“ Land - ISRAEL (IS-RA-EL: direkt zu „Gott“, ohne Umwege!)….auf der Sinai-Halbinsel der Bibel bleibt die Befreiungsmission plötzlich stecken: das flüchtende Volk wendet sich ab von seinem Führer MOSES, dem „aus dem Wasser Gezogenen“, der sein Volk aus dem Land der Knechtschaft zum Land seiner Väter und des „einigen Gottes“, seinem Ursprung also führen möchte.


Man tut dieser „Geschichte“ keinen Gefallen, wenn man sie allzu eng historisch als eine Konfliktlösung von tatsächlichen Völkern im sogenannten „Nahen Osten“ vor langer Zeit lesen möchte, oder dem gegenwärtigen Krieg der Führer des jüdischen Volkes im heutigen Staatsgebiet Israel gegen die arabischen Führer einer islamischen Republik auf dem Staatsgebiet des heutigen Iran zuordnen möchte. Es gibt aber Zusammenhänge.


Nein, die biblische Geschichte geht tiefer, sogar sehr viel tiefer, ebenso wie die Geschichte eines großen Humanisten, der exemplarisch und symbolisch in der Karwoche für uns stellvertretend das durchleidet, was das Herz eines jeden Menschseins betrifft (soviel zur sogenannten „Stellvertreterschaft“):


„Die Liebe ist langmütig und freundlich, die Liebe eifert nicht, die Liebe treibt nicht Mutwillen, sie bläht sich nicht auf, sie verhält sich nicht ungehörig, sie sucht nicht das Ihre, sie lässt sich nicht erbittern, sie rechnet das Böse nicht zu, sie freut sich nicht über die Ungerechtigkeit, sie freut sich aber an der Wahrheit.“

1. Korinther 13,4–6


Sozialismus, Kommunismus, Nationalismus und letztlich auch Humanismus (die -ISMEN) sind alle die Asche einer ehemaligen Glut eines jeden Menschen auf dem Weg seiner Befreiung zurück zu seinem Ursprung.


Judentum, Christentum, Islam als Vertreter der 3 monotheistischen Religionen (-ONEN) sind ebenfalls die Asche einer Glut, nämlich jener, die in all dem menschengemachten Wirrwarr eine Art „Superführer“ zu identifizieren versucht, dem man sich bedingungslos ausliefern möchte. Die „Glut“ waren die sogenannten Religionsgründer, die sich heute allesamt im Grabe umdrehen würden, was ihre Kirchen, Moscheen und Synagogen für eine Asche daraus fabriziert haben.


„Asche“ und „Glut“…..das sind die Bilder eines Prozesses, ebenso wie das Bild „eines aus dem Wasser Gezogenen, MOSES nämlich“, der beispielhaft aus dem „Fluss der Zeit“ und den Äußerlichkeiten seines Lebens in sein Innerstes gerissen wird: „Wer bin ich?“, und der dann die Antwort aus dem „Feuer“ erhält: „Ich bin der ich bin - JHWH, Allah, Elohim, GOTT!


Der menschliche Geist hat diesen Aspekt seiner permanenten Auseinandersetzung mit sich selbst aufgespalten in sich selbst und in ein göttliches Gegenüber - dem „Superführer“…..ist das nun Blasphemie, religiöse Anmaßung?


In der christlichen Karwoche wird nun wieder von einem Menschen berichtet, der Wunder vollbrachte an den Menschen, der als König von jenen am Palmsonntag noch gefeiert wurde, die ihn einige Tage später aus Ignoranz ihrer selbst heraus an ein Kreuz nagelten, von dem er im eigenen Todeskampf nur noch verzweifelt die Worte an seine Richter richten konnte: „Herr vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun!“. „Vater, warum hast du mich verlassen - aber nicht mein Wille, sondern dein Wille geschehe!“


Welch tiefsinnige Worte und zugleich Antworten auf das menschliche Sein!


Wir bewegen uns gerade wieder auf ein Zeitalter der menschlichen „Superführer“ zu, Autokraten nämlich, die sich selbst zum Goldenen Kalb stilisieren und denen wieder die Massen huldigen wollen: in den USA eines Donald Trump die MAGA Bewegung, im Russland eines Wladimir Putin die ewig gestrigen Kollonialisten, im Belarus eines Alexander Lukaschenko eine Frauen verachtende Diktatur, im Iran der Mullahs eine ebenso Frauen verachtende Diktatur. usw..


Da zündet ein Kriegsverbrecher im Kreml, der seit 2014 die Ukraine überfällt, in seiner orthodoxen Kirche brav Kerzlein an, während er gleichzeitig einen Genozid am ukrainischen Brudervolk verübt, und dabei gnadenlos sein eigenes Volk opfert, da stehen im Weißen Haus christliche Betgemeinschaften um einen Narzissten, der angeblich einem Attentat zum Opfer fiel, aber durch Gottes Willen als Führer der amerikanischen Nation auserkoren wurde, der ebenfalls sein eigenes Volk opfert, da überfällt ein israelischer Führer die islamische Republik Iran aus reiner Selbstverteidigung, ungeachtet der Frage einer notwendigen Koexistenzregelung zwischen Palästinensern und Israelis, da reist ein Mullah-Regime im Namen Allahs seine eigenen Nachbarn in einen Flächenbrand und die restliche Welt gleich mit.


Wer kämpft hier eigentlich mit wem und warum?


Der Osten mit dem Westen, die Demokratien gegen die Autokratien, Menschenrecht achtende, regelbasierende Systeme gegen menschenverachtende Gewaltherrschaftssysteme, deren Regeln einzig den Machtfantasien ihrer Führer huldigen und die auf Unterdrückung und Ausbeutung beruhen? Haben wir in den letzten 4000 Jahren nichts dazugelernt?


Ist die „Weiße Rasse“, in Amerika vertreten durch eine klerikale und technokratische Elite unter dem Labeln MAGA und GOP von Gott zur Herrschaft über die Welt auserwählt, oder ist es doch eher die „russische Seele“ eines Zaren oder von Stalins Gnaden, an der die Welt genesen soll, oder doch lieber alle Muslime dieser Welt mit ihrem heiligen Krieg  und dem scharfen Schwert des Dschihad?


Nein! All diese Akteure tun nur eins: sie bereichern sich auf Kosten ihrer eigenen Völker, sie betrügen sie und beuten sie aus. Die Völker aber „wissen nicht was sie tun“, wenn sie ihnen folgen.


So wird also vor 2000 Jahren ein „wahrer Mensch“ von einem römischen, imperialistischen System im Auftrag jüdisch religiöser Führer hingerichtet, wegen scheinbarer Gottesanmaßung….kommt uns das nicht bekannt vor? Hat der israelische Benjamin Netanjahu etwa den amerikanischen Imperator Donald Trump zum heiligen Krieg angestiftet?


Da helfen keine Gebete in den Kirchen, Moscheen  und Synagogen, da hilft nur der Rat Jesu an einen „Gelähmten“ am Teich von Bethesda, einem Teich in Jerusalem nahe dem Schafstor mit „fünf Säulenhallen“: „nimm dein Bett und wandle“, will sagen, wache auf aus deinem Traum von der realen Welt, der dir durch deine „fünf Sinne“ der Äußerlichkeiten vorgegaukelt wird. Nimm dein Leben selbst in die Hand und gebe die Verantwortung nicht ab an sogenannte Heilsbringer. Folge nicht menschenunwürdigen Regeln - z.B. Heilung am Sabbat oder Stillen des Hungers der Jünger am Sabbat mit Schaubroten im Tempel.


Keine Putins, keine Trumps, keine Orbans, keine  Xis und keine Mullahs können dich zu dem machen, der du bist - „ich bin der ich bin“! Sie können dich nur zu dem machen, der ihren egoistischen Interessen dient.


Darum geht es in den biblischen Geschichten des Exodus und der Karwoche: werde du selbst jenseits aller -ISMEN und -ONEN! „Jeder trage sein eigenes Kreuz“ meint: sei selbstverantwortlich, dir selbst und anderen gegenüber. Dann kann wahr werden, was prophezeit wurde:


 „Die Liebe ist langmütig und freundlich, die Liebe eifert nicht, die Liebe treibt nicht Mutwillen, sie bläht sich nicht auf, sie verhält sich nicht ungehörig, sie sucht nicht das Ihre, sie lässt sich nicht erbittern, sie rechnet das Böse nicht zu, sie freut sich nicht über die Ungerechtigkeit, sie freut sich aber an der Wahrheit.“

1. Korinther 13,4–6